Fallstudie
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GRANASA: Eine neue Art der Adaption des Zeitungswesens für das Internet

EXTRA, die Tageszeitung mit der größten Reichweite Ecuadors, erhält durch den schlichten aber innovativen Webauftritt viel Aufmerksamkeit.

Das Verlagshaus GRANASA (Gráficos Nacionales, S.A.) mit Sitz in der Industriestadt Guayaquil wurde 1973 von Galo Martínez Merchán gegründet. Zwei Tageszeitungen – EXTRA und Expreso – sind seitdem Hauptbestandteil der Verlagsaktivitäten, dazu kommen Printprodukte wie Zeitschriften und Magazine. Das Unternehmen ist seit Gründung in Familienbesitz. Gegenwärtiger Direktor ist der Sohn des Gründers, Dr. Galo Martínez Leiske.

Expreso hat sich aufgrund des Schwerpunkts auf nationale Themen einen Namen gemacht. Hinzu kommt das Anbieten von Mehrwert für die Print- und Webprodukte. Das hat den Einflussbereich der Tageszeitung enorm gesteigert. Die tägliche Auflage beläuft sich auf 20.000 Exemplare. Zusätzlich gibt es einen digitalen Abonnentenbereich, den Club Online, der Rabatte und Aktionen anbietet. Einen besonderen Stellenwert nimmt der Marathonlauf Competencia Atlética ein, der seit 42 Jahren ununterbrochen veranstaltet wird. Rund 20.000 Menschen haben daran bereits teilgenommen.

EXTRA liegt mit einer Verbreitung von über 100.000 Exemplaren am Tag auf Platz eins im Zeitungsranking Ecuadors.

Innovation und Streben nach neuen technologischen Möglichkeiten gehörten von jeher zur DNA von GRANASA.

Tatsächlich war GRANASA der erste Kunde Lateinamerikas, der zur Jahrtausendwende auf MILENIUM als Redaktionslösung setze. Pioniergeist bewiesen sie auch bei der Integration des ersten Web-CMS von Protecmedia, MILENIUM Web. Damit wurde der Grundstein für eine bimediale Redaktion in Zeiten der Konvergenz, Flexibilität und Produktivität gelegt.

Mit dem Aufkommen der Smartphones und Tablets waren Erweiterungen für diesen Markt notwendig, die GRANASA mittels eigener digitaler Kioske anging. Damit wurde den Lesern und Inserenten ein neues Produktportfolio angeboten und digitaler Mehrwert geboten.

Die Herausforderung lag darin, die Sprache des Zeitungswesens auf das Web zu übertragen

Gerade der digitale Markt wandelt sich ständig. Soziale Netze, weitere Formen, Informationen zu teilen und zu verbreiten, mit der Leserschaft in Kontakt zu treten etc. All das erforderte auch von GRANASA eine neue Unternehmensstrategie, um Arbeitsabläufe neu zu definieren und Multikanal-Ausspielungen zu ermöglichen ohne den Aufwand unverhältnismäßig zu erhöhen. Die erste Phase erfolgte mit der runderneuerten Website des Expreso im Sommer 2016 mittels ITER Web CMS von Protecmedia.

Die besondere Herausforderung aber bestand darin, den journalistischen Stil der Zeitung EXTRA grafisch und sprachlich ins Web zu übertragen. Welche visuelle Lösung bieten wir unseren Lesern an? Wie bauen wir die Sitemap auf? Wie werden unsere Leser die Veränderungen aufnehmen? Dazu mussten tiefgreifende redaktionelle Analysen erstellt werden.

Marcos Vaca, Leiter Redaktionelle Inhalte von GRANASA, fasst die redaktionellen, organisatorischen, werbetechnischen und technologischen Ziele wie folgt zusammen:

Unterschiedliche Inhalte anbieten zwischen Print und Online um multimediale und plattformübergreifende Nachrichten mit Mehrwert zu liefern.

Integrationsprozesse beginnen, um die Redaktion der Zeitung EXTRA sukzessive dem multimedialen Journalismus näher zu bringen.

Analyse der Leserschaft (deren Verhalten und Wünsche) um Content dementsprechend aufzubereiten und neuen Content zu erstellen um neue Zielgruppen anzusprechen. Dadurch würde der jetzige Leser gehalten und neue Leser würden hinzukommen.

„Wir wollen unter die Top 10 der digitalen Medien unseres Landes kommen. Ferner wollen wir durchschnittlich 10 Geschäftskunden gewinnen – von der Großindustrie bis hin zu kleinen und mittelständischen Unternehmen.“

Webdesign mit Wissen um den Nutzer. Aus den Analysen heraus ergab sich das Design, danach die Implementierung und daraus wiederum die Zusammensetzung des Inhalts. Eine Gesamtkomposition.

Responsive Design als Grundvoraussetzung heutiger Nutzergewohnheiten.

Ein GRANASA-Labor für neue Erzählformen generieren.

Werbemodelle finden, die für Klienten attraktiv sind.

Startschuss war der erste Juni, unter Leitung des Managers für Digitale Inhalte und seines Mitarbeiterstabs.

Im ersten Monat erfolgte eine tiefgreifende Leserschaftsanalyse samt Nutzerverhalten.

Die Ergebnisse dienten als Grundlage für die Erörterung der redaktionellen Modelle, seiner Vor- und Nachteile. Parallel dazu erfolgten Erfassungen digitaler Zeitungen.

„Wir wollen in die Tiefe gehen, sowohl was die Debatte um das journalistische Modell angeht, als auch hinsichtlich der Einnahmen aus Werbung und Anzeigen. Dabei geht es auch um das Design. Dabei ist es eminent wichtig, von außen auf die einzelnen Aspekte zu blicken um neue Inspirationen und Ideen zu gewinnen.“

Im Juli erfolgte der Ablaufplan, Definition der Inhaltsstile und des Designs, beziehungsweise des look&feels. Mitte Juli wurden die Ergebnisse sowie das gewünschte Design von Marcos Vaca an Protecmedia übermittelt und gemeinsam besprochen. Vorschläge zur Nutzung des Webkatalogs von Protecmedia wurden unterbreitet, weitere Elemente erörtert, wodurch auch eine schnellere Umsetzung des Projekts möglichgemacht werden könnten.

Gleichwohl waren neue Funktionalitäten gefragt, die von Seiten Protecmedias zu 80 Prozent erfüllt wurden. Die restlichen 20 Prozent werden mit der zweiten Etappe des Projekts verwirklicht. Zugleich wurde eine Strukturierung der Anzeigen und Werbung je Ressort definiert.

Am 31. August ging die neue Website der Zeitung EXTRA online. In knapp einem Monat wurden alle technischen Anforderungen und Wünsche umgesetzt.

Erste Datenerhebungen zur neuen Website machen Mut:

Vor Einführung des neuen Web-CMS lag Extra.ec im Alexa-Index auf Platz 346. Bei Erhebung der Daten hat sich die Website auf Platz 159 verbessert. Eine Verbesserung um 187 Plätze!

Global hat sich die Website um 60.226 Plätze verbessert.

Im Vergleich zum Monat Juni, hat sich die Anzahl neuer Sitzungen verdoppelt.

Die Zahl der Seitenaufrufe hat sich von 2.792.437 auf 4.114.191, also um rund 67 Prozent erhöht.

„Diese Runderneuerung gibt uns die Chance uns in einem steten redaktionellen und kommerziellen Wandel zu befinden. Wir wollen ein nachhaltiges journalistisches Modell erzeugen, das langfristig gesehen eine Konvergenz mit anderen Plattformen ermöglicht.“

Die Verweildauer hat sich auf fünf Minuten verdoppelt.

Die meistgelesenen Nachrichten gehören zu den Rubriken Boulevard und Chronik. Diese Analyse stimmt mit den im Juni erstellten Analysen und Fahrplänen des Projekts überein.

Das Einfügen von Videos in den Nachrichten erhöht die Verweildauer.

Die durchschnittliche Zeichenzahl der Topthemen beläuft sich auf 1500.

Unter den meistgelesenen Nachrichten des Monats September waren keine viralen Themen vorhanden.

Die neue Struktur der Website (wenige Rubriken) und eine Startseite ähnlich der von Pinterest haben die Neugier vieler Konkurrenten hervorgerufen.